Futurama
Ein kritischer Vergleich zwischen
Original- und Synchronfassung
- 1. Zielgruppe und Charakterauffassung
- 2. Akzente und Slangsprache
- 3. Markensprüche (catch phrases), Synchronität und Kontiunität
- 4. Wortwiederholungen und Wortspiele:
- 5. Wissenschaftliche Fachbegriffe
- 6. Anspielungen auf historische oder fiktive Personen.
- 7. Filmanspielungen im Episodentitel.
- 8. Hör mal wer da spricht.
- 9. Eigennamen und Orte
1. Zielgruppe und Charakterauffassung
Futurama ist mehr als eine Kindersendung.
Die Zielgruppe einer Serie ergibt sich daraus, inwiefern sich der Zuschauer mit den Hauptcharakteren identifizieren kann und zwar altersmäßig, intellektuell und handlungsspezifisch. So sind die breischlürfenden und brabbelnden "Teletubbies" auf Babys und Kleinkinder zugeschnitten, die pubertierenden Helden in "Captain Planet" auf eben diese und die Arztserie "Scrubs" auf Jugendliche bis junge Erwachsene. Natürlich lässt sich diese Formel nicht verallgemeinern. Gerade im Zeichentrickgenre packt einen irgendwann die Nostalgie und man schaut sich seine Helden aus der Kindheit gerne und mit der gleichen Begeisterung wieder an. Genau so ist es möglich, dass sich ein Jugendlicher die "Golden Girls" anschaut, auch wenn das Alter der Hauptdarsteller um ein vielfaches höher liegt.
Der Punkt ist, dass es andersrum nicht oder schwer funktioniert, besonders dann, wenn das Alter der Zuschauer zu niedrig angesiedelt wird. Es gibt sicherlich viele neunjährige, die sich von "Emergency Room" oder "Star Trek" berieseln lassen, die Serien jedoch wegen der technischen Fachbegriffe und den zwischenmenschlichen Beziehungen nicht verstehen können. Das beginnt erst mit dem Erwachsenwerden, wenn man ähnliche Lebenserfahrungen gemacht hat und diese auf die Serie übertragen kann. Bei Star Trek spielt dazu noch die schulische Bildung eine Rolle. Auch wenn die technischen Begriffe meist nur "Technobabbel" sind, steckt immer ein wissenschaftlicher Bezug dahinter.
Wenn wir uns Futurama betrachten sind zentralen Charaktere zwischen 23 (Amy) und 26 Jahren (Fry) alt und schlagen sich mit Themen wie Liebe, Wohnungssuche, Studium, Geldproblemen und Jobbeschaffung rum. Wenn man alleine danach gehen würde, ließe sich die Zielgruppe etwa auf 16+ festlegen. Um sich mit Fry zum identifizieren müsste man sogar die 80er Jahre in seiner Blütezeit erlebt haben. Ab dem Alter sollte man auch die meisten technischen Bezüge, wie "Upgrade" oder "Quantensingularität" schon mal gehört haben und Personen wie "Nixon" - mitsamt der Watergate-Affäre - und "Leonard Nimoy" kennen. Das fällt umso leicher, je mehr man sich für Wissenschaft, Technik und Politik interessiert, was die Zielgruppe noch weiter einschränkt.
Ich will mit dieser Analyse jetzt nicht zu fanatisch wirken. Genauso viele Kinder wie Erwachsene schauen sich die Serie an, wahrscheinlich sogar mehr. Der Unterschied ist, dass sich in der Orginalfassung beide Altersgruppen das rausgreifen können, was sie interessiert: Die Kinder die Albernheiten und die Erwachsenen die wissenschaftlichen Witze und die Alltagskomik; die Albernheiten natürlich auch.
In der deutschen Synchronfassung ist Futurama kindgerecht aufbereitet, so dass ein Erwachsener keinen Spaß mehr daran haben kann.
-
Witze oder Emotionen werden lauthals betont anstatt subtil und sarkastisch zu sein. Das schlimmste Beispiel dafür ist der Roboterclown "Patch Cord Adams", der den gelähmten Bender im Krankenhaus aufheitern will.
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Ernsthafte und tragische Storyelemente werden mit mangelndem Feingefühl oder sogar Desinteresse gesprochen, zum Beispiel als Fry die Grabinschrift seines Neffen in The Luck of the Fryish liest oder die Beziehungsdynamik zwischen Fry und Leela in The Sting.
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Fachbegriffe werden übersetzt und oft falsch interpretiert: 'port' (= Computerschnittstelle oder "Port") als "Hafen" oder 'singularity' (= Singularität) als "Einzigartigkeit".
(Siehe auch Abschnitt 5)
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Sexuelle Anspielungen und harte Sprache fallen weitgehend weg oder werden verharmlost, wie Lrrrs Doppeldeutigkeit in Spanish Fry:
That jerked chicken is good. I think I'll have Fry's lower horn jerked
. In der Synchronfassung wurde daraus ein gewürztes Hähnchen und Frys Horn wird reingezogen. Benders bissige Reaktion wurde zensiert:- Original:
- Synchro:
Diesen Umstand kann man dem Synchronregisseur nicht in die Schuhe schieben. In einem Interview mit TV-Mania[1] gab Ivar Combrinck seine Meinung zu diesem Thema:
[...] dann kommen die Redakteure und sagen, z.B. bei Futurama Das ist so sexistisch!. Aber das haben sie eben nicht kapiert, ich habs so gelassen, wie es schon war. Das Wort "Bumsen" haben Kinder bestimmt schon mal gehört. [...] Denn es ist im Original so böse, und wieso sollte man es nicht auch so lassen?
Natürlich ist es nie dazu gekommen.
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2. Akzente und Slangsprache
Ein Charakter entsteht nicht nur dadurch, was er sagt, sondern wie er es sagt.
Hermes Conrad ist in der englischen Fassung gebürtiger Jamaikaner mit starkem Akzent, wodurch ein herrlicher Kontrast zwischen dem strengen Bürokraten und seinem (stereotypen) jamaikanischen Lebensstil entsteht. Von seiner Slangsprache und dem Akzent bleibt in der Synchronfassung nichts übrig, was schlichtweg das Todesurteil für seinen Charakter ist. Man stelle sich den schweizerischen Austauschschüler "Uter" aus den Simpsons ohne Akzent vor. Wäre er dann noch komisch? (in der Originalfassung ist er übrigens deutsch)
In der Folge "Time Keeps on Slippin'" haben die Harlem Globetrotters einen Gastauftriff. Ihre Slangsprache wird teilweise für die Synchronfassung umgesetzt, der Dialekt bleibt auf der Strecke.
Ob nun Penner, Gangster, Anwalt oder Manager; fast jeder redet in klarem Standarddeutsch. Dadurch fällt die Sprachvielfalt und der multikulturelle Aspekt in der Synchronfassung weg. In deutschen Synchronsprecherarchiven werden oftmals Fremdsprachen- und Dialektkenntnisse angeführt. Schade, dass davon kein Gebrauch gemacht wird.
3. Markensprüche (catch phrases), Synchronität und Kontiunität
Die Hauptcharaktere benutzen ein festes Repertoire an Markensprüchen, die sich als Running-Gag durch die gesamte Serie ziehen.
Hier ist es wie in der Werbung: je kürzer, desto einprägsamer, und immer gleich.
Eine Firma kann seinen Slogan aufgrund eines Imagewechsels durch eine langwierige Werbekampagne verändern, so wie eine bekannte Fastfoodkette plötzlich geliebt werden muss, anstatt lediglich gut zu sein. In Zeichentrickserien ist das aber undenkbar. Wenn Homer Simpson nach 400 Folgen why you little!
brüllt, erwarten wir in Vorfreude, dass Barts Kehle in den nächsten Sekundenbruchteilen dran glauben wird. Pawlow würde es einen Reflex nennen, Fry bringt es auf den Punkt: But that's not why people watch TV. [...] unexpected things make them feel scared
. Leider werden diese Markensprüche in der Synchronfassung unnötig in die Länge gezogen und meist variiert oder verfälscht.
Bestenfalls ist die Silbenverteilung in der Übersetzung mit der Originalfassung identisch. Und weil die Animateure die Lippenbewegungen aufs Englische Drehbuch ausrichten, muss sich die Synchronfassung zwangsweise daran halten. Ein gutes Beispiel ist Benders 7-Silbrige Bemerkung: Bite my shiny metal ass!
, die in der Synchronfassung zum 15-Silbrigen Du kannst mich mal an meinem glänzenden Metallarsch lecken
wird. Abgesehen davon, dass diese Phrase nicht mehr so knackig ist, entstehen durch die Silbenverdopplung Probleme mit der Lippensynchronität. Wenn Benders Spruch in einen Satz integriert wird, müssen entweder andere Wörter gestrichen (= Verfälschung) oder schneller gesprochen werden (= mögliche Asynchronität). Die Herkunft von Benders Spruchs ist übrigens 'bite me!' = "Leck mich am Arsch!". Eine knappere Übersetzung bietet sich geradezu an: Leck mich am blanken Metallarsch!
(8 Silben). Dass es sich um seinen handelt, verrät die Handgeste und der Metallgehalt seines Körpers.
Der zweite Punkt sind Variationen. So wird Benders Arsch abwechselnd blank oder glänzend und soll fälschlicherweise gebissen anstatt geleckt werden, in der Folge "War is the H-Word" sogar mit dem Zusatz "kreuzweise". Ebenso geläufig ist Benders Spruch neat!
, bevor er seine Kamera auspackt und wie ein Tourist Sehenswürdigkeiten fotografiert. Die häufigste Übersetzung ist niedlich
, welche abgesehen von der Silbenverdopplung in den meisten Situationen unpassend ist. Wer bezeichnet schon einen explodierenden Vulkan oder eine Verletzung als niedlich? Weitere Versionen lauten toll
oder schick
, wobei mir die zweite wegen der Durchschlagskraft am ehesten zusagt.
Ein weiteres Beispiel ist das Bam!
von Chefkoch Elsar, das man wortgleich übernehmen könnte. In der Regel wird daraus ein akzeptabeles Peng!
, ein Puff!
oder ein unglücklich genuscheltes Bumm!
. Was hingegen nicht mehr vertretbar ist, dass das Wort in einigen Fällen überhaupt nicht verwendet wird, wenn es im Zusammenhang mit einer Situation steht, zum Beispiel als Elsar in "30% Iron Chef" Bender aus seiner Küche ein Raus!
anstatt ein Bam!
gegen den Kopf knallt.
4. Wortwiederholungen und Wortspiele
Wort- und Satzwiederholungen sollten für einen Synchronregisseur eine Erleichterung sein, weil sie nur einmal übersetzt werden müssen und in jedem Fall Lippensynchron werden. In der Synchronfassung werden solche Verdoppelungen umformuliert, als wolle der Regisseur die Passagen dadurch aufwerten. Dabei wird vergessen, dass sie entweder den monotonen Sprachfluss der Charaktere absichlich betonen oder einen Wortwitz darstellen. Im ersten Fall ist eine Veränderung nicht zu tragisch, im zweiten kann sie einen Witz abschwächen oder vernichten, wie in einer Szene aus Amazon Women in the Mood:
- Original:
Zapp:
[lacht] Oh, God, you're killing me. [wird geschlagen] Oh, God, you're killing me!
- Synchro:
Zapp:
[lacht] Das halt ich nicht aus, ihr bringt mich noch um. [wird geschlagen] Oh nein, ihr bringt mich wirklich um.
Oder in einer Szene aus The Tale of two Santas, wo der Sprecher alleine durch die Betonung der Worte klar macht, dass es sich bei der zweiten Gruppe um die ungezogenere handelt:
- Original:
Santa:
Let's see who's been naughty and who's been naughty.
- Synchro:
Santa:
Sehen wir mal nach wer gemein war und wer richtig gemein war.
- Original:
- Leela:
Happy Valentine's Day, Fry.
- Fry:
Happy Valentine's Day.
- Synchro:
- Leela:
Ich wünsch dir einen fröhlichen Valentinstag, Fry.
- Fry:
Ja, den wünsch ich dir ebenfalls.
Bei einer wortgetreuen Übersetzung wäre diese Passage sogar noch Lippensynchron:
Leela: Frohen Valentinstag, Fry.
Fry: Frohen Valentinstag.
Desweiteren gibt es richtige Wortspiele, die sich stilistisch zuordnen lassen:
-
Anadiplose (Wortverdopplung):
Aus der Episode Futurestock:
- Original:
- That Guy:
Okay. We've got the hot tub hot, the wine coolers cool. It's Hammer Time.
- Synchro:
- That Guy:
Okay. Der Whirlpool ist heiß und der Wein ist kalt gestellt. Jetzt ist Hammer Time.
Dabei hätte die Verdopplung mit etwas kreativem Einsatz gerettet werden können:
Okay: Unser Dampfbad dampft und der Weinkühler kühlt.
Ein weiteres Beispiel aus Anthology of Interrest II
- Original:
- Bender:
Why didn't anyone tell me tasting things tasted so good?
- Synchro:
- Bender:
Warum hat mir niemand gesagt, dass es so lecker ist, Dinge zu schmecken?
Warum hat mir nie jemand gesagt, dass leckere Dinge so lecker schmecken?
-
Oxymoron (Verbindung gegensätzlicher Wörter):
Aus Jurassic Bark:
- Original:
- Farnsworth:
Initiating dog brain CAT scan.
- Synchro:
- Farnsworth:
Wunde Gehirn-Computer-Belebung einleiten.
Ein CAT-Scan ist eine Computertomographie, und hätte dem Wortspiel zuliebe - 'dog' und 'CAT' = "Hund" und "Katze" - gleich bleiben müssen:
Leite Hundehirn CAT-Scan ein.
Aus The Day the Earth stood Stupid:
'gooey' bedeutet "sentimental" und schafft den Kontrast zu 'hate' = "Hass".- Original:
- Nibblerianer:
The Brain Spawn are commanded by a brain with a gooey center of pure hate.
- Synchro:
- Nibblerianer:
Die Gehirnbrut wird kommandiert von einem riesigen, bösen Gehirn, mit einem starken Zentrum puren Hasses.
-
Antithetischer Parallelismus: (gleicher Satzbau, gegenteilige Aussage):
- Original:
- Zoidberg:
On Earth, you enjoy eating a tasty clam. On my planet, clams enjoy eating a tasty you!
- Synchro:
- Zoidberg:
Auf der Erde isst man noch mit Freude eine köstliche Muschel. Auf meinem Planeten, werdet ihr als Köstlichkeit verspeist.
Auf der Erde, essen Menschen gerne eine leckere Muschel.
Auf meinem Planeten, essen Muscheln gerne einen leckeren Menschen!Hier tritt zwar ein Problem mit der Silbenverteilung auf, aber im Zweifel, immer für den Witz.
- Original:
- Bender:
Sure, but who's gonna do anything about it? Certainly not us. No, sir.
- Fry:
Certainly yes us. Aha, sir!
- Synchro:
- Bender:
Natürlich, aber wer kann schon was dagegen unternehmen? Wir bestimmt nicht, nein Sir.
- Fry:
Aber selbstverständlich, ganz im Gegenteil.
Sinngemäße Übersetzung:
Bender:
Klar, aber wer wird schon was dagegen tun? Sicherlich nicht wir. Nein, Sir.
Fry:Sicherlich doch wir. Ja, Sir!
- Original:
- Leela:
Why? Says who?
- Farnsworth
Because, and says me...
- Synchro:
- Leela:
Wieso? Sagt wer?
- Farnsworth
Moment, ich habs gesagt.
Weil, und sage ich...
-
Assonanz (Gleichklang):
- Original:
- Fry:
Where's your bathroom?
- Bender:
Bath what?
- Fry:
Bathroom
- Bender:
What Room?
- Fry:
Bathroom
- Bender:
What what?
- Synchro:
- Fry:
Wo ist die Toilette?
- Bender:
Toi-was?
- Fry:
Das Badezimmer
- Bender:
Was fürn Zimmer?
- Fry:
Das Badezimmer.
- Bender:
Wie bitte?
Dieser Klassiker beschränkt sich im Original auf die drei Hauptwörter 'bath', 'room' und 'what'. Bei einer wortgetreuen Übersetzung sind einige Füllwörter nötig:
Fry:
Wo ist das Badezimmer?
Bender:Bade-was?
Fry:Das Badezimmer
Bender:Was fürn Zimmer?
Fry:Das Badezimmer.
Bender:Was, was?
Oder für die ultimative Verwirrung:
Fry:
Wo ist der Waschraum?
Bender:Wasch-was?
Fry:Der Waschraum.
Bender:Was fürn Raum?
Fry:Der Waschraum.
Bender:Was, was?
-
Metapher:
- Original:
- Manager:
Yeah, but he bunted. Clowns are only funny when they swing away.
- Synchro:
- Manager:
Ja, aber der hat versagt. Clowns sind nur komisch, wenn sie frei schweben.
Als 'bunt' bezeichnet man eine Schlagtechnik beim Baseball, bei dem der Schlagmann den Ball von seinem Schläger abprallen lässt und ihn damit unspektakulär ins Spiel bringt. Und 'swing' bedeutet nicht schweben, sondern "schwingen".
Eine schwierige Übersetzung, die nur gerettet werden kann, wenn das Wort 'bunt' eingedeutscht wird. Immerhin sind 'Touchdown' und 'Home Run' auch hier geläufig:
Manager:Ja, aber er hat gebunted. Clowns sind nur komisch, wenn sie voll durchziehen.
- Original:
- Cloberella (Leela):
Forget it, Zookeeper. You're going into captivity!
- Zookeeper:
Fool! A quip about putting me behind bars would have been far more delicious.
- Synchro:
- Cloberella (Leela):
Oh nein, Zoowärter. Du wanderst jetzt ins Gefängnis!
- Zookeeper:
Ihr Narren. Sehr witzig mich hinter Gitter bringen zu wollen. Aber da habt ihr nicht die geringste Chance.
Das Wort 'captivity' beschreibt eingesperrte Tiere, was zum Zoowärter passt. Der Zoowärter hat diesen geistreichen Spruch = 'quib' erkannt und merkt an, dass 'behind bars' = "hinter Riegeln" witziger gewesen wäre, weil es auf seine Fettleibigkeit abzielt:
Cloberella (Leela):
Vergiss es, Zoowärter. Du wanderst jetzt in Gefangenschaft.
Zookeeper:Narr! Der Spruch mich hinter Riegel zu bringen wäre um einiges köstlicher gewesen.
-
Sprachvermischung:
- Original:
- Fry:
El Zilcho. I'm afraid we're boned.
- Bender:
El Zilcho. Hey, is it too late to change my superhero name?
- Synchro:
- Fry:
Fehlanzeige. Damit sind wir am Ende.
- Bender:
Ein Jammer. Ist es schon zu spät meinen Superheldennamen zu ändern?
'El zilcho' ist ein Mischmasch aus Englisch und Spanisch, den Fry soeben erfunden hat. Das englische Wort 'zilch' bedeutet "gar nichts" oder "nix". Natürlich ist Bender wegen seiner mexikanischen Abstammung besonders davon angetan und will seinen Heldennamen in 'El Zilcho' ändern. Dass dieses Sprachspiel auch hier funktioniert beweist die Fastfoodkampagne "Los Wochos". Die naheliegenste Übersetzung wäre "El Nixo" gewesen:
Fry:
El Nixo. Ich fürchte das wars.
Bender:El Nixo. Ist es schon zu spät meinen Superheldennamen zu ändern?
Es gibt auch positive Beispiele, die für die Synchronfassung sprechen. Die überraschten Ausrufe von Hermes Contrad sind meist gut interpretiert:
- Original:
- Hermes:
Sweet three-toed sloth of ice planet Hoth!
- Synchro:
- Hermes:
Großer Dreizehiger Boss vom Eisplaneten Hoth!
- Original:
- Hermes:
Sweet guinea pig of Winnipeg!
- Synchro:
- Hermes:
Heiliges Meerschwein vom Niederrhein!
- Original:
- Hermes:
Sweet Lion of Zion!
- Synchro:
- Hermes:
Beim heiligen Klo von Jericho!
5. Wissenschaftliche Fachbegriffe
Die Drehbuchautoren von Futurama sind zu einem gewissen Grad Experten auf dem Gebiet der Wissenschaft. Der Mitproduzent David X. Cohen besitzt einen Bachelor in Physik und Informatik, Ken Keeler einen Doktortitel in Mathematik und Ingenieurwesen und Bill Odenkirk einen Doktor in Anorganischer Chemie, um nur drei zu nennen. Dieses Fachwissen brauchen sie auch, denn ohne technische Begriffe und wissenschaftliche Handlungsstränge wäre Futurama als Science Fiction-Serie unglaubwürdig. In der Synchronfassung fallen viele dieser Begriffe weg oder werden falsch übersetzt:
- 'psionic attack' = "psionische Attacke" wird zu "Hirnattacken"
- 'Oh, Sirrah' = "Sirrah" (hellster Stern des Andromedasternbilds) wird zu "Oh, Sir"
- 'Scramjets' = "Scramjets" (Raketentriebwerke mit Überschallkompression) wird zu "Jets, die sich aus dem Staub machen"
- 'bolognium' = "Bolognium" (fikives Toponym-Element) wird zu "Wurstium"
- 'quantum singularity' = "Quantensingularität" wird zur "Quantum-Einzigartikeit"
- 'parsec' = "Parsec" (astronomische Längeneinheit) wird zu "ein paar Sekunden"
- 'life support' = "Lebenserhaltung" wird zu "(Lebensmittel)Vorräten".
-
'port' = "Port" (Computerschittstelle) wird zu "Hafen"
- 'brain wave' = "Gehirnwelle" wird zur "Gehirnwoge"
Die gravierensten Verständnisdefizite befinden sich allerdings im Baseballjargon, wodurch die Synchronfassung von A Leela of Her Own zur Katastrophe wird.
6. Anspielungen auf historische oder fiktive Personen
- Original:
- Bender:
We're hitched up tighter than Davy Jones' U-Haul.
- Bezug:
- Pirat Davy Jones, LKW-Mietfirma U-Haul
- Synchro:
- Bender:
So, den haben wir fester angekoppelt als jede billige Raumfähre.
- Original:
- Liu-Kopf:
Read the jar, Evelyn Wood.
- Bezug:
- Sprachwissenschaftler Evelyn Wood.
- Synchro:
- Liu-Kopf:
Kannst du nicht lesen, du blöder Trottel?
- Original:
- Bender:
So musicians really Rodger your Hammerstein?
- Bezug:
- Die Musicalkomponisten Richard Rodgers und Oscar Hammerstein.
- Synchro:
- Bender:
So, dann machen Musiker dich tatsächlich scharf?
- Original:
- Nixon:
Oh, what a McGovern I've been.
- Bezug:
- Der Amerikanische Senator George McGovern hat 1972 die Präsidentschaftswahl gegen Nixon verloren.
- Synchro:
- Nixon:
Ah, was für ein Idiot ich war.
- Original:
- Fry:
Shields at maximum yarnell.
- Bezug:
- Das amerikanische Comedy-Duo Shields und Yarnell.
- Synchro:
- Fry:
Schutzschilde auf maximum ausfahren.
- Original:
- Butler:
Mr. Brainley.
- Bezug:
- Die Romanfigur Charles Bingley aus Jane Austons Buch 'Pride and Prejudice', in dem sich Fry und Leela gerade befinden.
- Synchro:
- Butler:
Mr. Gehirnimus.
7. Filmanspielungen im Episodentitel.
Jeder Episodentitel ist im Original die Variation eines Films/Liedes/Gedichts. In der Synchronfassung fällt dieser Bezug fast immer weg oder verrät im schlimmsten Fall den Inhalt:
- Original:
Teenage Mutant Leela's Hurdles
- Bezug:
- Die Zeichentrickserie "Teenage Mutant Ninja Turtles"
- Synchro:
Die Quelle des Alterns
, verrät praktisch den Ausgang der Folge.
- Original:
The Bird-bot of Ice-catraz
- Bezug:
- 'The Birdman of Alcatraz' = "Der gefangene von Alcatraz"
- Synchro:
Bender unter Pinguinen
, ist Bestandteil der Handlung.
- Original:
A Fishful of Dollars
- Bezug:
- Serio Leones Western: 'A Fistful of Dollars', "Für eine Hand voll Dollar"
- Synchro:
Das Geheimnis der Anchovis
- Original:
Spanish Fry
- Bezug:
- Das Aphrodisiakum "Spanische Fliege"
- Synchro:
Lustkrise auf Omicron Persei Acht
Natürlich gibt es auch gelungene Übersetzungen, wo der Episodentitel an den deutschen Filmtitel angepasst ist:
- Original:
Raging Bender
- Bezug:
- Boxerfilm von Martin Scorsese: "Raging Bull"
- Synchro:
Wie ein wilder Bender
: "Wie ein wilder Stier"- (Danke an Franz E. für diesen Hinweis.)
8. Hör mal wer da spricht.
Sobald in einer Folge ein Schild mit Text auftaucht wird es laut und übersetzt vorgelesen (und das manchmal falsch). Auch wenn die Absicht dahinter gut gemeint ist, wird der Erzählfluss unnötig unterbrochen. Eine spannende Atmosphäre wird aufgeheitert, ein stiller Moment zunichte gemacht und ironischerweise lenkt es sogar ab, wenn man den Schildtext für sich selbst lesen will.
In der Folge That's Lobstertainment geht es sogar soweit, dass die Dialogzeilen aus einem Stummfilm vorgelesen werden. Die einzige und für mich absurde Erklärung ist, dass auf jüngere Zuschauer Rücksicht genommen wird, die nicht in der Lage sind Untertitel zu lesen.
9. Eigennamen und Orte
Eigennamen sollten nicht übersetzt werden, außer es existiert eine geläufige deutsche Bezeichung, wie "Niagarafälle" für 'Niagara Falls', oder wenn dadurch ein Witz sinnvoll übertragen wird.
Ein Pluspunkt für die deutsche Synchronfassung ist, dass die Namen der Hauptcharaktere belassen wurden, auch wenn einige Wortspiele dadurch zwangsweise wegfallen, wie 'Bender' -> 'bending' oder 'Fry' -> 'fry' = "braten" (The Luck of the Fryish). Einige Nebencharaktere haben nicht das Glück. Frys Ersatzroboterfreund 'Helper', dessen Name sich klanglich an 'Bender' anlehnt, wird in der Folge Godfellas zur "Aushilfe". Fry selbst wird in der deutschen Fassung von Bird-bot of Icecatraz zum "Zappelfry" anstatt zu 'Wiggles' degradiert und sein toter Onkel findet im "Nationalfriedhof in Planetenbahnwiesen" anstatt im 'Orbiting Meadows Cemetery' seine letzte Ruhe. Im letzten Beispiel hätte 'Cemetery' lediglich durch Friedhof ersetzt werden müssen.
Viel inkonsequenter ist jedoch die wechselnde Bezeichnung der Robotergeschlechter, die im Original klar definiert sind: Ein männlicher Roboter heißt 'Man-bot' und ein weiblicher Roboter 'Fem-bot' ('fem' steht für 'female' = "weiblich"). In der Synchronfassung hat man sich nie auf eine einheitliche Übersetzung geeinigt. So wird die 'Fem-bot' abwechselnd mit "Weib-bot" übersetzt, mit der 1:1-Variante "Fem-bot" oder umständlich als "weiblicher Roboter". Die gleiche vorgehensweise findet beim 'Man-bot' statt. Besonders in der Folge Amazon Women in the Mood fallen dadurch viele Wortspiele weg:
- Original:
- Bender:
You're no fem-puter, you're a fembot.
- Synchro:
- Bender:
Du bist gar kein Weib-puter, du bist ein weiblicher Roboter.
Oder der Name wird schlichtweg ignoriert:
- Original:
- Bender:
Time to override the CPU and reprogram this fem-puter
- Synchro:
- Bender:
Ich will an deine Zentralprozessoreinheit ran und dich umprogrammieren.
Dass es auch richtig geht, zeigt diese gelungene Übersetzung aus der gleichen Folge:
- Original:
- Fembot:
Have you any idea how it feels to be a fembot in a manbot's man-puter's world?
- Synchro:
- Fembot:
Hast du ne Ahnung, was das für ein Gefühl ist, als Weib-bot in einer Mann-bots Mannputerwelt zu leben?
Das gleiche passiert mit dem Kunstwort 'robo', einer Wortverschmelzung aus 'robot' und 'hobo' = "Penner", das im deutschen mit "Roboter" übersetzt wird. Der folgende Dialog wird dadurch sinnlos:
- Original:
- Penner:
Gus, old chump, let's give a friendly welcome to this new robo.
- Bender:
What did you call me?
- Penner:
A "robo". You know, a robot hobo.
- Synchro:
- Penner:
Gus, Alter Freund, heißen wir diesen neuen Roboter herzlich Willkommen.
- Bender:
Wie hast du mich da gerade genannt?
- Penner:
Einen Roboter. Du bist ein robot hobo.
